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In einem der letzten Podcasts habe ich meine Gedanken geteilt, wozu wir Meditation brauchen. Da aber nicht jeder Podcasts hört, gibt es jetzt auch ein paar geschriebene Worte zu dem Thema.

Als ich anfing Meditation zu lernen, war das einfach ein Versuch etwas gegen meinen Stress zu tun. Das hat auch sehr gut funktioniert. Inzwischen – nach vielen Stunden Meditation und noch viel mehr Dingen, die ich lernen durfte – verstehe ich besser, warum es mir geholfen hat.

Ein Aspekt bei der Meditation ist, dass wir lernen können, unsere Gedanken nicht so ernst zu nehmen. Wie oft haben wir Gedanken der Art „Oh – ich muss unbedingt noch…“ und gleich rennen wir los. Wenn wir uns aber vorgenommen haben zu meditieren, dann lernen wir, dass wir eben nicht sofort losrennen brauchen, sondern dass wir warten können. Auf eine faszinierende Art, verallgemeinert unser Gehirn gelerntes. Das bedeutet, dass wir nicht mehr nur während der Meditation nicht mehr sofort reagieren, sondern auch in anderen Situationen. Je mehr Übung, desto mehr lässt sich dieser Effekt beobachten und desto breiter funktioniert er. Das ist das eine, warum Meditation unser Leben ruhiger macht.

Der andere Aspekt ist – wir nehmen uns regelmäßig eine Auszeit. Unsere modernen Leben sind von morgens bis abends vollgepackt. Gerne fällt dabei auch die Selbstfürsorge den vielen Terminen und To-Dos zum Opfer. Was nicht gesund ist. Weder für unseren Körper noch für unseren Geist. Da Meditation immer mehr zum Trend wird, können wir uns damit eine ganz offizielle und „angesehene“ Paus gönnen. Das ist viel wert! Viel mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Unser Geist (Kopf) braucht regelmäßige Pausen, sonst kann er nicht mehr richtig arbeiten. Natürlich könnten wir die auch anders haben, doch vielen fällt es leichter, wenn sie einen „Termin“ im Kalender haben. Wenn das dann die Meditation ist, dann ist es letztendlich sogar doppelt hilfreich. Also – Mut zur meditativen Pause!

Bald ist es soweit und meine Tochter wird eingeschult. Es ist unglaublich wie schnell diese sechs Jahre vergangen sind. Erst vor kurzem sagte jemand zu mir:

„Die Tage sind lang, aber die Jahre sind kurz“

Jetzt kommt dieser neue Abschnitt auf uns zu und ganz oft höre ich von Bekannten: „Das wird eine große Veränderung!“ Das finde ich sehr spannend. Klar – es ändert sich etwas, weil die Schule nicht am gleichen Ort ist wie der Kindergarten. Weil das mit den Ferien jetzt anders ist. Aber ändert sich nicht ständig etwas? Jeden Tag sind wir mit größeren oder kleineren Veränderungen konfrontiert. Schon das Wetter ist immer im Wechsel genau wie unsere Stimmung. Letztes Jahr war von heute auf morgen der Kindergarten für eine lange Zeit einfach zu. Ohne Vorwarnung. Auch damit mussten wir umgehen. Warum soll also der Wechsel in die Schule auf einmal so ein großes Ding sein? Und wenn wir Erwachsenen da so ein großes Ding daraus machen – bringen wir unseren Kindern dann nicht unbewusst bei, dass Veränderungen etwas Schlechtes sind? Aus den letzten 18 Monaten habe ich vor allem eines gelernt: Kinder gehen mit Veränderungen sehr entspannt um. Solange sie jemanden an der Seite haben, auf den sie sich verlassen können. Das wird sich mit dem Eintritt in die Schule bei uns nicht ändern. Wir sind für sie da. Und ihre Freunde sind da. Und viele andere liebe Menschen, die sie begleiten.

Und wer bewertet eigentlich die „Größe“ und wie sehr mir die Anpassung schwerfällt? Diese Woche durfte ich mein Passwort bei der Arbeit mal wieder ändern. Seit der letzten Änderung wurden die Passwortregeln angepasst und so war ich gezwungen mir etwas ganz Neues zu überlegen. Normalerweise brauche ich einen Tag, bis ich das neue Passwort wieder ganz automatisch tippe. Diesmal nicht. Seit jetzt vier Tagen muss ich immer noch nachdenken, wie das Passwort nun heißt und vertippe mich regelmäßig. Eine eigentlich „kleine“ Veränderungen, die mich seit mehreren Tagen beschäftigt.

Veränderungen ob „groß“ oder „klein“ können etwas sehr Spannendes und Schönes sein. Eine Chance. Ein Neubeginn.

Ich weiß nicht, ob das ein Phänomen ist, das nur Eltern kennen oder ob das auch bei Kinderlosen bekannt ist. Aber ich erinnere mich noch gut, als meine Tochter das erste Mal alleine mit Freunden gespielt hat. Ohne dass ich dabeibleiben musste. Weil das so unerwartet kam, wusste ich tatsächlich nicht, was ich tun sollte. Das war in meiner Welt so lange nicht vorhanden gewesen, dass ich spontan Zeit zur Verfügung hatte, dass ich in gewisser Weise überfordert war. Der Moment der Überforderung und Verwirrung hielt nicht lange an und ich setzte mich einfach auf das Sofa und tat – nichts. Was wirklich schön war. Einfach ungestört auf dem Sofa sitzen.

Wie lange genau ich auf dem Sofa saß, habe ich mir nicht gemerkt. Es war aber bestimmt eine viertel Stunde. Dann kam auf einmal der Gedanke – du könntest mal wieder Klavier üben. Dafür hatte ich so gut wie nie Zeit und das war genau der richtige Moment dafür. Bald darauf wurde meine Gesellschaft wieder gewünscht und die Pause war vorbei.

Obwohl das jetzt schon eine Weile her ist und ich inzwischen sehr viel häufiger „freie“ Zeit habe, kommen diese Momenten der Planlosigkeit immer noch vor. Ich glaube, das liegt daran, dass meine Tage üblicherweise sehr durchgeplant sind. Durchgeplant bedeutet bei mir, dass ich ungefähr eine Ahnung habe, was ich an dem Tag machen möchte. Es bedeutet nicht, dass alles dicht an dich liegt ohne Pausen. Wir „planen“ uns ganz viel Zeit ein, um spontan zu entscheiden, was wir machen wollen. Beziehungsweise unsere Tochter darf entscheiden. Ab und zu ändert sich dieser „Plan“ aber mal, weil sie eben auch spontan entscheidet, dass sie zu Freunden möchte.

Dann kommt meist genau diese – „Und was soll ich dann jetzt tun?“ Und genau so wie ich beim ersten Mal keine Antwort erzwungen habe, sondern die Gelegenheit „genutzt“ habe, zur Ruhe zu kommen. So mache ich das heute immer noch. Wenn ich mal spontan eine Pause bekomme, dann nutze ich die auch um wirklich Pause zu machen.

Neulich musste ich wieder an unseren Hochzeitstag denken. Und sofort waren all diese Gefühle wieder da. Die Freude, die Aufregung, die Nervosität. Einzelne Szenen stiegen vor meinem inneren Auge auf. Es war alles wieder so lebendig. Als ob es erst gestern gewesen wäre. Da wurde mir klar, dass ich „noch drüber hinweg bin“.

Hä? Ist sie jetzt vollkommen durchgeknallt, fragen sich vielleicht einige. Warum soll man denn über den eigenen Hochzeitstag hinwegkommen? Dieses Beispiel habe ich bewusst gewählt. Denn niemand würde auf die Idee kommen, es als problematisch hinzustellen, dass ich mich immer noch an meinen Hochzeitstag erinnere. Und dass diese Erinnerung Gefühle und Bilder in mir kreiert. Wenn es aber etwas weniger „positives“ ist, dann heißt es gleich „du bist noch nicht darüber hinweg“. Dabei ist der Prozess genau der gleiche. Egal ob es ein schönes oder nicht so schönes Ereignis ist. Anfangs erinnern wir uns ganz oft daran und reden noch oft darüber. Das wird mit der Zeit immer weniger. Aber ganz weg geht es eigentlich nie. Ab und an ist die Erinnerung da. Plötzlich. Wie aus dem nichts. Mit allen Details.

Warum also ist es einmal okay und einmal wird uns eingeredet, dass wir „noch nicht darüber hinweg seien“? Ich vermute, weil die meisten Menschen Angst vor den unangenehmen Gefühlen haben, die mit den nicht so schönen Erinnerungen kommen. Dabei kann uns ein Gefühl nichts tun. Es kommt und geht. Wie das angenehme Gefühl bei der schönen Erinnerung auch. Wenn wir nicht mehr Angst vor diesen Gefühlen hätten, müssten wir auch nicht mehr versuchen diese Erinnerungen zu verbannen. Sie „zu verarbeiten“. Und könnten sie als das annehmen was sie sind: Gedanken über etwas Vergangenes. Nicht mehr – nicht weniger.

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