fbpx

Seit letzten Jahr haben wir ja einen Schrebergarten und dadurch habe ich die Gelegenheit viele Dinge zu lernen. Als erstes habe ich gelernt wie man einen Zaun setzt. Und ja – er ist nicht perfekt geworden. Wenn ich jetzt einen Zaum setzen würde, würde ich es anders machen. Ich habe eben gelernt wie es besser und einfacher geht. Das macht nichts. Es ist der Zaun um den Schrebergarten. Als nächstes habe ich gelernt wie man fräst. Das war spannend und aufregend. Vermutlich werde ich dieses Wissen so schnell nicht mehr anwenden. Falls ich aber jemals wieder etwas fräsen muss, wird es leichter sein als beim ersten Mal. Dann habe ich gelernt, dass Rasen nicht so schnell wächst, wie man sich das wünscht. Und dass man ganz schön viel gießen muss, wenn das Wetter nicht mitspielt. Schließlich durfte ich lernen, wie man einen Brunnen bohrt. Macht Spaß, aber ist richtig anstrengend. Auch das würde ich anders machen, falls ich jemals wieder einen Brunnen bohren würde. Aber er funktioniert – das ist das wichtigste. Dieses Jahr habe ich gelernt wie man eine Gartenhütte baut. Und dass – auch wenn man die Hütte im Baumarkt gekauft hat – die Anleitung falsch sein kann. Wie alles andere im Garten ist auch die Hütte nicht perfekt. Was auch vollkommen egal ist. Es ist nur ein Schrebergarten und es war das erste Mal, dass ich eine Gartenhütte gebaut habe. Diese Woche habe ich gelernt, dass auch meine für Trockenheit ausgelegten Stauden gegossen werden müssen, wenn es zu lange trocken ist. Vermutlich sind mir ein oder zwei Pflanzen vertrocknet. Die Wurzeln der kleineren Pflanzen waren noch nicht tief genug und deswegen kamen sie nicht mehr an genug Wasser. Das merke ich mir und werde das ab jetzt genauer beobachten. Und dann rechtzeitig gießen.

Warum zähle ich das alles auf? Ganz oft trauen wir uns nicht mehr zu einfach etwas zu machen, weil wir Angst vor Fehlern haben. Aber Fehler sind normal und gehören dazu damit wir lernen. Klar – es gibt Fehler, da ist es sinnvoller, wenn wir die nicht machen – z.B. giftige Pilze essen. Da sollten wir auf die Erfahrung anderer vertrauen. Bei den meisten Dingen ist es vollkommen egal, ob es nicht gleich gelingt. Das ist nachhaltiges lernen. Diese Dinge werden wir vermutlich nicht mehr falsch machen. Und zusätzlich bauen wir dadurch echte Expertise auf. Sinnvoll ist es, dass wir uns nicht gleich etwas vornehmen, das perfekt werden „muss“, weil so viel auf dem Spiel steht. Ein Programmieranfänger sollte vielleicht nicht gleich ein Computerprogramm für autonomes Lenken schreiben – oder wenn dann nur für ein Spielzeug, damit er eben Fehler machen kann.

Von uns selbst erwarten wir zu oft, dass es gleich klappen muss. Das nimmt uns den Spaß und erzeugt jede Menge Druck. Also – einfach mal wieder was probieren und lernen beim Machen.

Wann hast du dir zuletzt einen Traum erfüllt? Ich meine einen echten, großen Traum. Nicht ein „ich gönne mir hier eine besondere Schokolade“. Tatsächlich habe ich mir gerade einen großen, lang gehegten Traum erfüllt. Vor sieben Jahren habe ich auf einem Kunsthandwerkmarkt das erste Mal eine Handpan gesehen und gehört. Und war sofort in das Instrument verliebt. Zu der Zeit gab es nur sehr wenige Handpans, weil das Instrument noch recht neu und jung war weswegen es nur eine geringe Zahl von Herstellern gab. Aus diesen Gründen waren sie noch sehr teuer. Die original „Hang“ kostete 10.000€. So viel war ich nicht bereit auszugeben. Es blieb also ein Traum. Für sehr lange Zeit.

Inzwischen gibt es glücklicherweise viele Hersteller und die Instrumente sind erschwinglich geworden. Immer noch teuer – aber für ein Instrument im „normalen“ Bereich. Trotzdem ist mir die Entscheidung nicht leichtgefallen. Die Entscheidung so viel Geld einfach in mich, in einen Traum zu investieren. In ein Hobby. Denn wir haben ja noch das Haus, und eigentlich hätte ich mit dem Geld die Möglichkeit zur Sondertilgung genutzt. Dieses Jahr wollte ich das nicht so wirklich. Schon seit Anfang des Jahres hat es in mir rumort. Immer wieder dachte ich an eine Handpan. Durch Zufall stolperte ich über eine Möglichkeit eine Handpan erst zu mieten bevor ich sie direkt kaufe. Damit war die Entscheidung gefallen. Denn so hatte ich die Möglichkeit erst auszuprobieren ob mir das Instrument wirklich liegt. Falls es doch nicht meins gewesen wäre, dann hätte es mich die Miete gekostet, was im Rahmen war.

Ja und nun bin ich stolze Besitzerin einer Luna-Handpan. Ich liebe meine Luna! Es macht mir so Spaß darauf zu spielen und selbst die „langweiligen“ Grundübungen, die notwendig sind, damit ich irgendwann mal richtig schnell spielen kann, machen mir Spaß und sind alles andere als langweilig. Jedes Mal, wenn ich spiele, bin ich vom Klang fasziniert und probiere immer wieder aus, was für Töne ich erzeugen kann. Für mich war es jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Traum wahr werden zu lassen.

Auf keinen Fall möchte ich vermitteln, dass jetzt jeder alle Bedenken über Bord werfen soll und einfach auf Teufel komm raus seine Träume erfüllen muss. Aber ich glaube, dass wir manchmal zu zögerlich sind und zu lange warten. Die Vernunft bekommt einen zu großen Anteil und wir reden uns unsere Träume immer wieder aus. Deshalb plädiere ich dafür einmal genau hinzuschauen. In meinem Fall hat mich „der Kredit, der unbedingt so schnell wie möglich abbezahlt werden soll“ davon abgehalten diesen Traum zu erfüllen. Dabei ist es so egal ob das Haus ein, zwei oder drei Jahre früher oder später abbezahlt ist. Wenn mir etwas passieren sollte, dann ist der Kredit abgesichert. Und möchte ich wirklich mein Leben damit verbringen nur auf ein „irgendwann“ hinzuleben, ohne wirklich zu leben? Ohne Freude, Spaß und auch mal Abenteuer? Ich möchte das nicht. Und jeden Tag versuche ich, eine gesunde Balance zu finden. Zwischen Vernunft und Traum.

Die Beantwortung dieser Frage fällt mir aktuell schwer. Aus mehreren Gründen. Zum einen hängt es davon ob, wann ich mir diese Frage stelle. Die meiste Zeit geht es mir gut. Sehr gut sogar. Wir haben uns daran gewöhnt, dass unsere Tochter nicht in den Kindergarten geht. Es ist ein neuer Rhythmus entstanden, der etwas langsamer ist als sonst. Das tut uns auf eine gewisse Weise allen gut. Natürlich bleibt vieles unerledigt, denn der Tag hat nur 24h und gleichzeitig arbeiten und Kind betreuen geht nur bedingt. Doch auch daran haben wir uns gewöhnt.

Dann gibt es aber diese Momente, wo ich Angst habe. Wenn ich an die vielen Menschen denke, die krank sind, auf Intensivstationen liegen und die noch krank werden. Manchmal kommt auch der Gedanke, dass jemand aus meiner Familie oder aus meinem Freundeskreis krank werden könnte. Dann ist die Angst noch größer. Meistens kann ich gut damit umgehen und schenke diesen Gedanken keine allzu große Beachtung. Aber die Angst war dennoch da. Und dann geht es mir schlecht.

Dann gibt es die anderen Momente, wo Gedanken kommen, dass es mir doch nicht so gut gehen darf, wenn woanders so ein Chaos herrscht. Dann kriecht das schlechte Gewissen in mir hoch und ich zweifle an mir, ob ich alles nicht doch zu locker nehme. Dass ich die Situation auch bei uns unterschätze und alles noch ganz schlimm werden wird. Auch diesen Gedanken schenke ich so wenig Beachtung wie möglich und trotzdem – es geht mir erstmal schlecht.

Das alles ist normal und menschlich. Menschen sind dafür gemacht, sich an extremste Situationen anpassen zu können. Sonst wären wir nicht in der Lage gewesen so unterschiedliche geografische Gebiete zu erschließen. Diese Anpassungsfähigkeit im Außen haben wir auch im Inneren. Unsere Psyche hat die gleiche Fähigkeit. Wenn ein Zustand lang genug anhält, dann wird er normal für uns. Wir finden Wege damit umzugehen. Das ist gesund. Das ist gelebte Resilienz.

Ebenso ist es völlig normal, dass wir uns schlecht fühlen, wenn wir angstmachende Gedanken haben. Oder schuldbehaftete. Wenn wir erkennen, dass es nicht hilfreich ist, diesen Gedanken zu folgen, dann schaden sie uns nicht. Sie dürfen kommen und gehen. Jetzt genau in diesem Moment kann ich mit allem umgehen, was sich mir präsentiert. Es macht überhaupt keinen Sinn, über eventuell eintreffende Ereignisse in der Zukunft nachzudenken. Denn falls diese überhaupt eintreffen, wird es in dem Moment völlig anders sein, als wir dachten. Und wir werden damit umgehen. In genau dem Moment. So gut wir es dann können.

Ungeplant bin ich dieses Jahr Teilnehmer bei „Creating the Impossible“ von Michael Neill (https://www.michaelneill.org/cti/). Ziel des Programms ist es in 90 Tagen das unmögliche zu erschaffen. Unmöglich bedeutet, dass das Projekt, das man sich wählt, eine Chance von 20% oder weniger haben muss, dass es in 90 Tagen realisierbar ist. Das bedeutet, dass jeder Teilnehmer im Grunde davon ausgeht zu scheitern.

Letzte Woche hat nochmal zusätzlich das Thema „Misserfolg“. Ziel war es – die Woche 1000 Misserfolge zu sammeln.

Wow! 1000-mal „versagen“.  Das hört sich erstmal heftig an. Aber nach zwei Tagen fand ich das wirklich lustig. Ich gehöre jetzt nicht zu denen, die krampfhaft mitzählen. Aber ich registrierte sehr amüsiert, wie viele Dinge jeden Tag schief gehen, und ich das nicht richtig wahrnehme und es mich somit auch überhaupt nicht interessiert. Der Mittwoch fing im Grunde schon mit mehreren Misserfolgen an.

  1. Als um 5:35 mein Wecker losging war ich noch so müde, dass ich ihn einfach ausgemacht und weitergeschlafen habe.
  2. Den nächsten Wecker um 5:45 habe ich dann nicht mehr ignoriert, aber anstatt meiner Morgengymnastik bin ich einfach nur im Bett liegen geblieben (okay ich habe zumindest meditiert in der Zeit)
  3. Die Katze hat erst im vierten Anlauf ihre Tablette gefressen (gleich drei Misserfolge).

Keiner dieser Misserfolge hat mich im Geringsten erschüttert oder an mir zweifeln lassen. Es ist einfach das Leben, das passiert. Manchmal folgt es unseren Plänen – meistens eben nicht. Darum wird es endlich mal Zeit, dass wir aufhören uns an Erfolgen oder Misserfolgen zu messen. Zum Großteil liegt das nämlich nicht in unserer Hand. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass einer Katze eine Tablette zu gebe ja nicht so wichtig ist. Doch wer definiert das? Für die Gesundheit meiner Katze ist es extrem wichtig, dass sie diese Tablette zweimal täglich nimmt.

Wir lassen uns viel zu sehr von anderen, von den Medien, Eltern, Freunden, beeinflussen was als Erfolg zu werten ist. Und wenn unsere Leben dem nicht entsprechen, dann fühlen wir uns als Misserfolg. Nur weil wir nicht irgendwelchen doch recht willkürlich festgelegten Kriterien genügen. Ich finde es wird Zeit zum Umdenken. In meinen Augen ist jemand, der mit Hingabe Postbote ist und seinen Kunden freundlich und hilfsbereit begegnet, sonst auch entspannt ist und sein Leben genießt äußerst erfolgreich. Darum plädiere ich zu mehr Mut zum „scheitern“ und wieder mehr Freude im Leben.

NEWSLETTER

captcha