So bin ich doch gar nicht!

Manchmal reicht eine Bemerkung und schon möchte ich erklären, wie ich das gemeint habe. Schließlich soll der andere kein falsches Bild von mir haben. Besonders dann, wenn ich mich selbst ganz anders sehe.

Dabei weiß ich ja auch bei anderen Menschen immer ganz genau, wie sie sind. Also zumindest, bis sie mich überraschen. Dann muss ich mein Bild wohl noch mal überarbeiten.

Vielleicht kann ich anderen auch zugestehen, dass ihr Bild von mir gerade unvollständig ist. Ich muss das nicht sofort korrigieren. Und vielleicht haben sie sogar etwas gesehen, was mir selbst noch gar nicht aufgefallen ist.

Das macht mich neugierig. Was könnte ich wohl hören, wenn ich nicht schon während des Zuhörens meine Verteidigung vorbereite? Vielleicht würde ich dann verstehen, was beim anderen angekommen ist. Das kann ja durchaus etwas anderes sein als das, was ich sagen oder tun wollte.

Ich kenne das selbst: Ich meine etwas hilfreich und mein Gegenüber fühlt sich bevormundet. Dann kann ich lange erklären, dass ich doch nur helfen wollte. Dass es sich für den anderen blöd angefühlt hat, wird dadurch vermutlich nicht besser.

Wenn ich das stehen lassen kann, entsteht vielleicht ein Gespräch, in dem ich auch etwas Neues erfahre. Über den anderen und über mich. Dafür muss ich mich nicht mit jeder Einschätzung identifizieren. Ich kann erst mal zuhören und schauen, was ich damit anfangen möchte.

Vielleicht wird es auch einfach entspannter, wenn ich nicht bei jeder Gelegenheit dafür sorgen muss, dass alle das richtige Bild von mir haben. Ich komme ja selbst noch gelegentlich zu neuen Erkenntnissen über mich. Da dürfen die anderen ruhig auch ein bisschen Zeit brauchen.

No module Published on Offcanvas position