Gestern hatte ich einen Werbeprospekt eines Kinderartikel-Versands in der Post. Ein bisschen aus Langeweile, ein bisschen aus "vielleicht gibt es was passendes fürs Töchterchen" blätterte ich ihn durch. Es war nichts besonderes drin - ein paar Klamotten, Koffer, praktisches fürs Auto. Aber bei den T-Shirts wurde ich stutzig und habe die mir genauer angeschaut. Sie hatten hübsche T-Shirts in kräftigen Farben - zwei offensichtlich für Jungs gedacht und zwei offensichtlich für Mädchen gedacht. Denn: es gab ein gründes mit Wolfsdruck, ein blaues mit einer Vogelsilhouette (Adler?). Und dann ein lilanes mit Schmetterling und ein pinknes mit Pferd. Leicht genervt frage ich meinen Mann warum es denn nicht möglich ist, ein rosanes mit Wolf und ein blaues mit Pferd anzubieten. Seine Antwort brachte mich zum Nachdenken: "Tja - bei Stellenanzeigen müssen wir inzwischen weiblich/männlich/divers hinschreiben sonst werden wir verklagt. Aber das sind ja nur Kinder, die dürfen ruhig diskrimineirt werden."

Wow! Er hat total Recht! Eigentlich müsse man die ganzen Konzerne wegen Diskriminierung verklagen. Nur weil es Kinder sind, dürfen sie in Schubladen gesteckt werden? Aber sobald ich 18 bin sollen sie von heute auf morgen so sein dürfen, wie sie sein wollen? Als Kinder dürfen sie keine blauen oder grünen T-Shirts mit Schmetterling oder Pferd haben wollen. Oder rosane und lilane mit Wolf und Adler. Es sind ja nur Mädchen und Jungs. Und Mädchen sind rosa, Pferd, Barbie und Glitzer. Und Jugns sind blau, Dinosaurier, Auto und Schwert. (Ich gabe zu, dass es zum Glück nicht mehr ganz so extrem ist, aber es ist immer noch sehr ausgeprägt. Und echt schwierig was glitzerndes in nicht rosa oder lila zu finden.)

Von Gleichberechtigung und Chancengleichheit sind wir noch meilenweit entfernt. Denn es fängt bei unseren Kindern an. Solange wir die noch in solche Schubladen stecken und nicht sehen, dass sie in erster Linie kleine Menschen sind. Menschen mit völlig unterschiedlichen Interessen und Talenten. Bei uns im Kindergarten sind Jungs, die rosa und Nagellack lieben. Und Mädchen, die wilder raufen und besser klettern als die Jungs.

Warum dürfen Konzerne ungestraft unsere Kinder diskriminieren obwohl unser Grundgesetz das so klar verbietet?

Das Thema Vergebung taucht eigentlich immer auf, wenn man anfängt sich mit Persönlichkeitsentwicklung, Selbstliebe oder Spiritualität zu beschäftigen. Auch in der Psychotherapie taucht das auf. Gestern habe ich mal wieder festgestellt, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen etwas intellektuell zu verstehen oder etwas wirklich zu begreifen. Es war mir schon klar, dass es sinnvoll ist mir selbst und anderen zu vergeben. Denn solange ich das nicht getan habe, trage ich den Groll mit mir herum. Gestern hat es aber klick gemacht und ich habe gesehen, dass ich weder mich selbst noch andere wirklich lieben oder meine Liebe zeigen kann, wenn ich nicht vergeben habe. Das ging wirklich tief und ich musste erstmal weinen, weil sich so viel gelöst hat. Denn diese Gefühle, die es verhindern, dass ich komplett vergebe, die stehen dazwischen. Die lassen nicht zu, dass meine Liebe wirklich ankommt. Beziehungsweise meine Liebe kommt nur deformiert an. Verfärbt. Verwässert. Das ist das eine. Das andere, was mir klar wurde war, dass es nichts zu vergeben gibt. Wann immer ich selbst oder ein anderer etwas tat, das nicht "gut" war, dann war das, weil ich (oder die andere Person) es in diesem Moment nicht bessser wusste. Ich war verwirrt, hilflos, wusste nicht mehr ein und aus. Und in meinem Kopf war Gedankenchaos. Meine innere Weisheit hatte gar keine Chance durchzukommen. Wie hätte ich also weiser reagieren sollen? Ich konnte nicht, und deswegen gibt es auch nichts zu vergeben, denn ich habe unschuldig unwissen gehandelt.

...die du dir wünscht für diese Welt. (Mahatma Gandi)

Ein wunderschönes Zitat, das wohl jeder schon gehört hat.

Es ist ganz simpel und doch so mächtig. Einer dieser Sätze, die wirklich die Welt verändern können. Wenn jeder danach leben würde. Warum? Meistens ist es doch so, dass wir irgendwie immer wollen, dass sich jemand oder etwas im Außen verändert. Der Partner, der Job, die Wohnsituation, das Wetter, die Verkehrslage. Wenn, ja wenn - dann wären wir auch freundlicher, glücklicher, entspannter,... Da gibt es allerdings einen Haken:

>Wenn wir uns schon nicht ändern wollen - warum sollten andere es tun?<

Es ist doch so - ändern können wir nur und wirklich nur uns selbst. Wer schon länger in einer Partnerschaft lebt oder schon mal länger in einer Partnerschaft gelebt hat weiß aus Erfahrung, dass der andere sich entweder nie oder erst dann ändert, wenn er es möchte. Der eigene Einfluss darauf ist - sagen wir es nett - sehr begrenzt.

Aber stellen wir uns jetzt mal vor jeder einzelne Mensch auf dieser Erde würde nach Gandis Maxime leben. Und zwar wirklich ehrlich. Eigentlich kann die Welt dann nur ein friedlicher Ort sein. Denn wenn ich das ernst nehme muss ich aufhören andere überzeugen und verändern zu wollen. Ich darf immer nur darauf schauen, was ich denke und tue. Sobald ich etwas mit dem Ziel mache, dass andere ihre Einsicht ändern, bin ich nicht mehr nur bei mir.

Ich möchte, dass mein Partner aufmerksamer ist. Dann sollte ich damit beginnen. Bedingungslos. Mir gegenüber - ihm gegebenüber. Mein Job nervt? Bringe ich mich denn wirklich voll ein? Bedingungslos? Ohne dass ich Anerkennung oder mehr Geld erwarte? (Und nein - Überstunden und zu allem ja sagen, bedeutet nicht, dass ich mich voll einbringe. Dazu gehört auch ein gesundes nein, wenn meine Grenze erreicht ist.) Die anderen fahren immer so doof? Bin ich denn immer aufmerksam? Bleibe ich immer ruhig und entspannt? Du jammerst über das Wetter? Wie war das mit der richtigen Kleidung? ;-)

Wir sind so oft zu uns selbst überhaupt nicht nett. Wir essen Dinge, von denen wir wissen, dass sie uns nicht gut tun. Wir bewegen uns zu wenig, gehen zu wenig in die Natur. Wir nehmen uns keine Zeit für uns selbst. Aber wir fordern von allen anderen und von der Welt, dass sie doch gefälligst nett zu uns sein sollen. Fange bei dir an. Jetzt gleich :-) Du wirst sehen - die Welt wir stückweise ein besserer Ort werden!

PS: Und wenn du richtig gut zu dir sein möchtest, dann melde dich zu einem meiner Meditationskurse an. Die Termine für dieses Jahr stehen fest.

Gerade in der Vorweihnachtszeit fühlen sich viele gestresst. Alle sind so geschäftig, ein Termin jagt den anderen, die Geschenke wollen gekauft und natürlich auch hübsch verpackt werden. Und doch gibt es diese Menschen, die trotz des Trubels Ruhe ausstrahlen und sichnicht von der Hetze anstecken lassen. Woran liegt das? Haben die nicht so viel zu erledigen?

Doch - vermutlich schon. Der Grund ist ein anderer. Denn - es ist ein Unterschied ob ich überladen bin oder überwältigt! Was genau ist der Unterschied? Ganz einfach: Ein Auto-Anhänger, der nur 500kg laden kann auf den ich aber eine Tonne Sand aufladen ist überladen. Und im Zweifel bricht er zusammen. Einfach, weil es zu viel ist. Das hat gar nichts mit seiner persönlichen Einschätzung zu tun, 1000kg sind doppelt so viel wie er tragen kann. Und was ist dann überwältigt? Wenn der gleiche Anhänger vor einem Haufen mit 500kg Sand stehen und sagen würde: "Oh Gott, schau dir doch mal den Haufen an. Das kann ich doch gar nicht alles schaffen. Was denken sich die Leute? Immer muss ich soviel tun..." Ich denke, der Punkt kommt rüber ;-)

Was kann der einzelne also tun? Nun - als erstes prüfen ob ich überladen bin, sprich es gibt tatsächlich mehr zu tun als ich schaffen kann, oder ob ich aus dem was ich zu tun habe ein Gebirge mache. Im ersten Fall heißt es Priorisieren und Delegieren. Im zweiteren - aufhören zu jammern. Okay, ich weiß, dass es im zweiten Fall wirklich so viel aussieht - aber genau das ist es. Es sieht nur so aus. Und wenn ich aufhöre meine Energie darauf zu verschwenden ständig über die Menge zu reden und nachzudenken und stattdessen die Ärmel hochkrempel und loslege, dann werde ich mich schnell besser fühlen. Zum einen, weil der Berg einfach weniger wird, zum anderen, weil wir uns automatisch besser fühlen, wenn wir etwas tun, und zum dritten, weil ich viel zu beschäftigt bin um mir noch Gedanken zu machen :-)

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